Madden NFL 21 auf PC spielen

Madden NFL 21 im Test

Zusammenfassung: Mit Madden NFL 21 eröffnet EA Sports am 28. August die diesjährige Saison der Ballsportsimulationen. Aber wird's auch ein Auftakt nach Maß? Wir haben den Titel getestet und verraten, ob American-Football-Fans einen Grund zum Jubeln haben!

Inhaltsverzeichnis

Mahommes oder Brady?

Die National Football League, die internationale Spitzenklasse des American Football, steht zu Beginn ihrer 101. Saison vor jeder Menge Fragezeichen: Eigentlich soll in der Nacht vom 10. September das Eröffnungsspiel zwischen den Kansas City Chiefs und den Houston Texans stattfinden. Ob oder in welcher Form das passieren wird, ist allerdings noch nicht abzusehen. Die NFL hat bisher kein wirkliches Corona-Konzept ausgearbeitet. Damit ist noch immer nicht klar: Spielt man mit oder ohne Fans im Stadion? Wird es eine Art "Bubble" geben wie in der NBA, die ihre Spiele gebündelt auf dem Boden von Disney World Orlando austrägt? Und was passiert eigentlich, wenn sich ein Spieler infiziert?

Madden NFL 21

Was hingegen ohne Zweifel feststeht: Diese Spielzeit wird auf jeden Fall anders als alle bisherigen. Da ist es für Fans eine gute Nachricht, dass sie ihren Lieblingssport zumindest auf PC, PS4 und Xbox One in gewohnter Form erleben können. EA Sports hat am 28. August nämlich Madden NFL 21 (jetzt kaufen bei Amazon 59,99 €) veröffentlicht und bietet so ein vertrautes American-Football-Erlebnis.

Evolution statt Revolution

Manchmal fühlt sich Madden NFL 21 sogar fast schon zu vertraut an. Denn der Titel spielt sich über weite Strecken tatsächlich sehr ähnlich wie sein direkter Vorgänger. Wirklich bahnbrechende Innovationen hat das Entwicklerteam von EA Tiburon nicht aus dem Ärmel geschüttelt, stattdessen wurde viel mehr am bereits vorhandenen Gameplay-Gerüst geschraubt. Laut Machern war etwa die Verteidigung des Laufspiels in Madden NFL 20 für viele Spieler etwas zu schwierig. Entsprechend wurde nun entgegengesteuert, das Tempo verringert und oft verwendete Spielzüge wie Stretch oder Dive wurden abgeschwächt.

American Football: Madden NFL 21

Für noch mehr Kontrolle auf der Defensivseite führt EA Sports zudem eine neue Pass-Rush-Steuerung ein. Im letzten Jahr musstet ihr noch wie wild auf eine Taste hämmern, um dem Griff eines Offensive Lineman zu entgehen. Jetzt lassen sich jegliche Abwehraktionen vom Bull Rush bis hin zum Swim Move über eine Bewegung mit dem rechten Stick ausführen. Vollkommen übermächtig werdet ihr dadurch aber nicht. Im Gegenzug können eure Linebacker nun etwa nur noch einen kleineren Bereich abdecken, sodass ihr euch entscheiden müsst, welche Route ihr covern möchtet. Dazu kommen noch die positionsbasierten Tackles. Eure Spieler sind sich ihrer Position auf dem Feld nun noch bewusster und können so etwa Angreifer noch effektiver davon abhalten, den First-Down-Marker zu erreichen. Eure Ballträger strecken sich hingegen besonders, um über die magische Linie zur Endzone zu kommen.

Video Trailer

Der Teufel liegt im Detail

Auch sonst wurde den Offensivakteuren nochmal etwas Aufmerksamkeit gewidmet: Running Backs können dank des Skill Sticks jetzt mehrere Moves miteinander verketten, Wide Receiver setzen nach dem Catch intuitiver zum anschließenden Lauf an. Zudem werden Quarterbacks den Ball künftig noch schneller los. Ihr könnt das Ei sogar noch werfen, während ihr getackelt werdet, und so einen Sack mit Raumverlust verhindern. Zumindest im Idealfall. Da EA die Passgenauigkeit unter Druck oder bei Würfen gegen die Laufrichtung ebenfalls nochmal angepasst hat, riskiert ihr unter Umständen auch einen Fumble oder gar eine Interception.

Abgerundet wird das Gameplay-Paket mit paar Ergänzungen und Veränderungen bei den Superstar- und X-Factor-Fähigkeiten. Die wurden in Madden NFL 20 eingeführt und sind eine Art vorübergehender Buff, den ihr durch den Abschluss von Ingame-Zielen aktivieren könnt. Spieler mit der neuen Eigenschaft "Anklebreaker" lassen etwa mit Leichtigkeit Gegner aussteigen. Akteure, die über den "Avalanche"-Skill verfügen, sind Meister darin, Fumbles zu forcieren. Dazu gesellen sich noch kleinere KI-Anpassungen beim Play Calling und Zeitmanagement, zusätzliche Strafen für Illegal Contact sowie aktualisierte Playbooks.

PC Games: Madden NFL 21

Unglücklich: Das Storyboard

Die großen Neuerungen gibt es aber besonders auf der Content-Seite. Allen voran wurde der letztjährig eingeführte Face-of-the-Franchise-Modus noch einmal etwas umgemodelt. Hier erstellt ihr zwar weiterhin einen eigenen Charakter, der sich seinen Weg von der Highschool in die NFL bahnt. Dabei bekommt ihr nun aber wieder eine Art "Geschichte" erzählt: Eigentlich seid ihr nur die Nummer zwei auf der Quarterback-Position, müsst im Finale dann aber für euren Konkurrenten einspringen, der an einem Herzfehler leidet. Das dürft ihr aber unter keinen Umständen dem Trainer verraten, sonst wäre die Laufbahn eures Kontrahenten direkt am Ende. Ein echter Gewissenskonflikt, der eure Karriere auf lange Sicht beeinflussen wird! Dazu werden noch diverse bekannte Gesichter durchs Bild gezogen, etwa US-Rapper Snoop Dogg sowie NFL-Journalist Rich Eisen. Das soll dem Modus wohl mehr Tiefgang verleihen, lässt ihn aber oft mehr wie ein überzogenes Drama wirken.

Immerhin erwarten euch spielerisch nun mehr Möglichkeiten: Ihr könnt beispielsweise zwei Saisons in der College-Liga spielen und dabei sogar neue Positionen wie Wide Receiver oder Running Back ausprobieren. Danach beweist ihr euch im NFL Combine und werdet dann von einem Team gedraftet, oder aber ihr schließt euch direkt eurer Lieblingsmannschaft an und versucht, sie zu einem Super Bowl führen. Das passiert beinahe zwangsläufig, denn die Struktur von Face of the Franchise ist wesentlich linearer als im Vorjahr. Ihr spielt nicht die komplette Saison, sondern nur noch die Highlights. Zudem durchlauft ihr in eurer Karriere vorgegebene Szenarien, wie etwa den schnellem Aufstieg mit Auszeichnung als Rookie of the Year oder die zwischenzeitliche Talfahrt mit Verletzung. Das ist alles in allem eine recht runde Sache, mit unvertonten Cutscenes und hässlichen Charaktermodellen teils aber leider etwas dürftig inszeniert.

Madden NFL 21 spielen

An manchen Stellen habt ihr noch direkten Einfluss auf den Lauf eurer Geschichte: In Interviews und Pressekonferenzen stehen euch Antworten zur Auswahl, die unterschiedliche Auswirkungen haben. Mal bekommt ihr etwa einen neuen Teamkollegen, mal schaltet ihr Boosts für euren Avatar frei. Der lässt sich zudem noch mit verdienten Match-XP aufleveln und mit individuellen Fähigkeiten ausstatten.

Stillstand im Franchise-Modus

Habt ihr keinen Bock mehr, könnt ihr euren Spielstand jederzeit in ein reguläres Franchise-Savegame umwandeln. Wirklich lohnenswert ist das aber nicht, denn der Modus wurde in diesem Jahr wieder mal sträflich vernachlässigt. Wirklich große, nennenswerte Änderungen sind Mangelware. Wer sich gerne als Spieler, Coach oder Team-Besitzer beweist, für den sind in Madden NFL 21 eine erweiterte Wild-Card-Runde, realistischere Spielerentwicklung und Simulationsergebnisse sowie authentische Rookie-Verträge schon das höchste der Gefühle. Das klingt mehr nach Patch Notes als nach einer Liste frischer Features. Zugegeben, die Entwickler beteuern in einem Blog-Artikel, Madden sei ein Live-Service, der über das Jahr hinweg mit neuen Inhalten versorgt werden soll. Für eine verbesserte KI oder eine umfangreiche Karrierestatistik könne man aber "noch keine genauen Zeitpunkte nennen". Toll.

Madden NFL 21 Spiele testen

Dass solche Funktionen nicht direkt zum Launch im Spiel zu finden sind, könnte daran liegen, dass EA Sports stattdessen wieder einmal jede Menge Arbeit auf andere Modi verwendet hat – zum Beispiel auf Ultimate Team, das nun mit Zwei- beziehungsweise Drei-Spieler-Koop, neuen Items und Challenges sowie dem altbekannten Pay-to-Win-Aspekt daherkommt. Außerdem führen die Entwickler mit Madden NFL 21 den neuen Modus The Yard ein, eine arcadige Football-Variante, die ein wenig an NFL Street erinnert. Hier erwarten euch diverse Regel- und Gameplay-Anpassung: Zum Beispiel ist das Spielfeld nur 80 Yards lang, pro Team gibt es nur sechs Spieler und hinter der Line of Scrimmage dürfen gleich mehrere Pässe geworfen werden, wodurch ihr nette Kombinationen und Trickspielzüge aus dem Ärmel zaubern könnt. So sind pro Drive sogar bis 13 Punkte möglich!

Geld regiert die Welt

Auch nett: Wer will, der kann die vier Schauplätze Miami Port, Lambeau Tailgate, F.O.B. Nico und Brandenburg Football-Festival auch mit bis zu zwei Freunden ausprobieren – wahlweise gegen die KI oder menschliche Spieler. So oder so dürft ihr euch nach jedem Match über Belohnungen freuen: Mit XP levelt ihr euren Avatar auf und schaltet neue Fähigkeiten frei. Mit Street Cred könnt ihr zudem im Shop vorbeischauen und coole Outfits zusammenstellen. Ihr wolltet schon immer in bauchfreiem Trikot, Leoparden-Boxershorts und mit babyblauem Mundschutz spielen? The Yard macht's möglich!

Dadurch, dass niemand offizielle Uniformen trägt, fällt leider nur oft die Unterscheidung zwischen eigenen und gegnerischen Spielern schwer. Und natürlich hat es sich EA Sports auch nicht nehmen lassen, euch Klamotten wahlweise für Madden Points anzudrehen, die es nur für Echtgeld im Ingame-Shop gibt. Schade, denn ansonsten ist The Yard eigentlich eine nette Ergänzung, die zwar nicht als alleiniges Kaufargument heraussticht, dem Spielgefühl von Madden NFL 21 aber nochmal eine weitere Facette spendiert. Es ist ein kleiner Spaß für zwischendurch, vergleichbar mit VOLTA Football aus FIFA.

Sport Games: Madden NFL 21

Bei der Präsentation macht Madden zu guter Letzt auch noch einen Schritt nach vorne: Mit neuen Pre-Game-Intros, Fangesängen und kurzen Cutscenes wie "Move those Chains!" nach einem First Down wurde das Spielerlebnis nochmal aufpoliert. Krasse Clipping- oder Textur-Fehler wie sie teilweise im Internet zu finden sind, haben wir keine erlebt. Gestört haben wir uns eher an den unrunden Laufanimationen, der grauenhaften Darstellung von langen Haaren, den immer selben Sätzes aus der Kommentatorenbox oder den häufigen Ladezeiten. Für die Zukunft von Madden gibt es also definitiv noch Verbesserungspotenzial.

Fazit und Wertung

Für sich betrachtet ist Madden NFL 21 kein schlechtes Spiel. Es ist wahrscheinlich sogar die rundeste und umfangreichste American-Football-Simulation, die es aktuell auf dem Markt zu kaufen gibt. Für Neulinge oder Spieler, die eine zwischenzeitliche Pause eingelegt haben, ist 2020 daher ein guter Punkt, um wieder ins Franchise einzusteigen. Langjährige Fans, die auch die vergangenen Ableger im Regal stehen haben, werden es hingegen schwer haben, abgesehen vom kostenlosen Next-Gen-Upgrade einen Grund zu finden, nochmal 60 Euro auszugeben. Die Gameplay-Anpassungen sind nämlich nur minimal, weder The Yard noch der überarbeitete Face-of-the-Franchise-Modus ein wirkliches Kaufargument. Stattdessen kann man eigentlich auch genauso gut den Vorgänger weiterspielen und einfach ein aktualisiertes Roster aus der Community herunterladen. Und dann hoffen, dass 2K Games nach dem Erwerb der NFL-Lizenz im nächsten Jahr mal ein wenig an EAs festgefahrener Monopolstellung rüttelt.

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